Leserkommentare gehen auf Distanz zu Steinmeier

„Europa war nie ein Spaziergang“

ZEIT-ONLINE | 04.04.17

Der Brexit als Täuschung, die Nationalisten auf dem falschen Weg: In seiner ersten Rede als Bundespräsident im Ausland gibt sich Frank-Walter Steinmeier kämpferisch.

Kommentar:

Die Rede Steinmeiers hat im Europaparlament und in der Presse viel Zustimmung erfahren. Kein Wunder; denn Steinmeier hat das gesagt, was man dort hören wollte.
Der Kommentator sieht das anders.
Wenn „Steinmeier populistischen und autoritären Strömungen vor(warf), sie seien immer mit ganz einfachen Antworten zur Stelle: „der starken Hand, den klaren Feindbildern“, dann kann man ihm ebenso vorhalten, dass er selbst Populist ist; denn auch er hat „klare Feindbilder“.
Und wenn er sagt: „Populisten malen die Welt in Schwarz und Weiß und schlagen aus Ängsten politisches Kapital.“, dann muss man ihm vorhalten, dass auch er „Ängste schürt“ und „aus Ängsten politisches Kapital“ schlagen will.
Und wenn er sagt: „Wenn wir [doch wohl die Europäische Union] ein Leuchtturm sein wollen für Rechtsstaat und Menschenrechte in der Welt, dann darf es uns eben nicht egal sein, wenn dieses Fundament im Inneren Europas wackelt.“, dann ignoriert er bewusst, wie viel Recht in der EU schon gebrochen worden ist und auch von der Bundesregierung, der er als Außenminister angehört hat.
Auch in den 176 Leserkommentaren kommt Bundespräsident Steinmeier so schlecht weg, wie man es von ZEIT-Lesern eher nicht erwartet hätte. So kann man sich täuschen. Aber lesen Sie selbst.

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