AfD-Bashing – neue Folge

AfD-Bashing – neue Folge

Wie die AfD in der Corona-Krise schweigt

rbb24.de | 18.03.20

Nicolaus Fest steht in einer geräumigen Altbauwohnung und schaut mit strengem Blick in die Kamera. „Die Kanzlerin hat 2015 behauptet, dass die Grenzen nicht zu sichern sind“, sagt der kommissarische Landesvorsitzende der Berliner AfD. „Und jetzt geht Grenzsicherung eben doch“, fügt er grinsend und mit süffisantem Unterton hinzu. In Zeiten von Corona, so Fest weiter, sei auch bei Linken „Willkommenskultur und Menschenliebe“ verschwunden. Nichts sei mehr zu sehen von den Bildern frierender Mütter und ihrer Kinder in den Zeltlagern an der griechisch-türkischen Grenze. „Gutmenschentum“ gehe, so behauptet Fest mit dem kühlen Blick des wissenden Bildungsbürgers, „nach Opportunität“. […] Der ehemalige stellvertretende Chef der Bild am Sonntag […] nutzt die Corona-Krise zur Generalabrechnung mit allem, was ihm sowieso nicht passt: EU-Bürokraten, Linke, Gutmenschen. Doch Lösungsvorschläge hat er keine, kein Wort darüber, was in der Krise zu tun ist. […] Am Mittwochvormittag wartete die Bundes-AfD dann doch noch mit Vorschlägen zur Krisenbewältigung auf. […] Forderungen, die sich lesen, als hätte die AfD sie bei den sonst so gescholtenen „Alt-Parteien“ abgeschrieben, die derzeit versuchen, genau das umzusetzen.

Kommentar:

1) Wieder ein typisches Beispiel für den Umgang von Medien mit der AfD. Es beginnt bei der Sprache / der Wortwahl:
Herr Fest,
– AfD-Vertreter im Europarlament (das wird nicht erwähnt),
– wohnt natürlich (das wird erwähnt, ist auch sehr wichtig!) „in einer geräumigen Altbauwohnung“,
– fügt (natürlich) „grinsend und mit süffisantem Unterton“ etwas hinzu,
– behauptet etwas „mit dem kühlen Blick des wissenden Bildungsbürgers“
– und „jubiliert“, dass „der Nationalstaat endlich seine ganze Kraft (zeige)“.

 

2) Destruktiv auch der Schluss des Artikels, der 5-Punkte-Plan der AfD enthalte nur „Forderungen, die sich lesen, als hätte die AfD sie bei den sonst so gescholtenen „Alt-Parteien“ abgeschrieben, die derzeit versuchen, genau das umzusetzen.“

 

3) Die Frage ist doch eher, wieviel – zunehmend mehr – die Alt-Parteien schon von den Forderungen der AfD übernommen haben! Das wird verschwiegen. Überhaupt: Kritische Fragen an die Regierung – Fehlanzeige. Sie werden aber sicher noch kommen.

 

4) Anders die NZZ am 20.03.20
«Der andere Blick»: Hat die deutsche Regierung in der Corona-Krise versagt?
Das Virus gibt jetzt den Takt vor, nicht die vorausschauende Planung der Behörden. Die Bundesregierung allerdings war gewarnt. Sie hielt sich nur nicht an ihr eigenes Drehbuch.
https://www.nzz.ch/international/hat-die-deutsche-regierung-in-der-corona-krise-versagt-ld.1547525?kid=_2020-3-19&trco=&mktcid=nled&mktcval=164_2020-03-20&reduced=true

 

5) Ein paar Pro-AfD-Leserkommentare:
– „“Die stellvertretende Berliner AfD-Landesvorsitzende Beatrix von Storch behauptet auf der Website der Bundespartei (Stand: 17.3.2020) fälschlicherweise, Asylbewerber dürften weiterhin ungehindert nach Deutschland einreisen.“ Dann stellen Sie das doch mal klar, wie der Sachstand ist. In der FAZ war zu lesen, Asylbewerbern werden weiter hereingelassen nach den Plänen.“
– „Ich finde es eher viel, viel schlimmer, daß erste Politiker der Regierungsparteien (zum Beispiel Frau von der Leyen von der EU) jetzt zugeben mussten, daß Sie dieses Virus unterschätzt haben! Wie konnte sowas passieren? Ich möchte nicht wissen, was los gewesen wäre als das Virus in China zum ersten Mal in die Schlagzeilen geraten ist!, wenn die AfD von den schlimmen Folgen der deutschen Bevölkerung davor gewarnt hätten?“
– „Ich gebe Ihnen insofern recht, dass die AfD sich dem Originalitätswettbewerb der anderen Parteien, z.B. um die schönsten neuen Steuern oder Verbote, weitgehend entzieht. Auch die Forderung, die Grenzen dichtzumachen, war schon 2015 nicht originell, wenn auch damals wenigstens ein Alleinstellungsmerkmal. Inzwischen ist sie nicht einmal mehr das.
Mein Punkt war aber, dass in Krisensituationen wie zurzeit Oppositions-Bashing grundsätzlich billig zu haben ist:
Sagt die Opposition nichts oder zeigt sich solidarisch mit den Maßnahmen der Regierung, ist sie profillos und hat keine eigenen Ideen. Kritisiert sie dagegen die getroffenen Maßnahmen und fordert einen anderen Kurs, ist sie unsolidarisch und fällt den Bemühungen der Regierung in den Rücken. […]
– „Auch die Grünen und die SPD brillieren im Moment nicht mit Lösungen.“
– „Die Diskrepanz zwischen der Aussage von 2015, man könne keine Grenzen schließen, und der aktuellen Praxis (einschließlich in den vergangenen Tagen über 20.000 verweigerte Einreisen) ist schon augenfällig. Und wenn Journalisten dieses Thema meiden, finde ich es nicht verwerflich, dass die AfD den Faktenfinder mal umdreht und die damaligen Aussagen als Fakes markiert. Insgesamt erscheint mir der Beitrag ziemlich sinnentleert. Ist Herr Goll etwa enttäuscht, dass die AfD zum Umgang mit den Folgen der Pandemie keine besonders abstrusen Vorschläge macht, nur um sich von den anderen Parteien abzusetzen? Auch die Grünen scheinen ja keine Gelegenheit zu finden, Corona überzeugend mit ihrem Klimawandel-Thema kurzzuschließen. Warum hat Herr Goll nicht darüber geschrieben? Es wäre genauso sinnfrei gewesen, nur in die andere Richtung.“

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