Demokratie verstanden

Demokratie verstanden

Europawahl-Rechtsruck: Warum wählen junge Leute AfD?

br.de | 15.06.24

Stand bei der letzten Europawahl noch der Klimawandel als größte Bedrohung ganz oben, treibt die Deutschen zwischen 16 und 34 heute nun hauptsächlich die Zunahme der Kriminalität um. 60 Prozent sorgen sich, dass sich die Art und Weise, wie wir in Deutschland leben, zu stark verändern wird und 59 Prozent haben Angst, den Lebensstandard nicht mehr halten zu können. Da hat die AfD „junge Menschen direkt angesprochen, ist auch direkt auf die Sorgen und auf die Ängste von jungen Menschen eingegangen und hat ihnen sehr, sehr einfache, populistische Lösungen präsentiert, auf die viele junge Menschen gesprungen sind“, erklärt der Politologe Kilian Hampel von der Uni Konstanz. […] Politologe Thomas König weist zudem darauf hin, dass junge Menschen zwar oft populistisch wählen, viele der Inhalte aber gar nicht teilen: „Nein, das sind keine Nazis“, sagt er, „die sehen das einfach nur als eine Alternative zu dem, was im Moment vorherrscht.“

Kommentar:

Die jungen Leute haben offenbar das Prinzip demokratischer Wahlen verstanden: Man kann Parteien und Politiker wählen, von denen man sich und seine Interessen vertreten fühlt, und man kann Parteien und Politiker abwählen, von denen man sich und seine Interessen nicht vertreten fühlt.
Nicht mehr und nicht weniger haben die jungen Leute offenbar gemacht. „Die sehen das einfach nur als eine Alternative zu dem, was im Moment vorherrscht.“ (Thomas König)
Warum finden das die etablierten Parteien nicht gut? Weil sie fürchten, dass sich für sie etwas ändern könnte, dass sie an Macht und Einfluss und Geld verlieren könnten.
Sie kennen sicher den Satz von Kurt Tucholsky: „Wenn Wahlen etwas änderten, wären sie längst verboten.“
Ist nicht der viel beschworene „Kampf gegen Rechts“ ein Zeichen der Angst davor, dass Wahlen etwas ändern könnten? Gibt es nicht wenigstens Anzeichen dafür, dass man zwar nicht Wahlen verbieten will, wohl aber eine Partei verbieten möchte, die sich „einfach nur als eine Alternative zu dem [sieht], was im Moment vorherrscht“?
Es lebe die Demokratie!

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