Ernste Gedanken zum „Haltungsjournalismus“

Ernste Gedanken zum „Haltungsjournalismus“

Die Politik des schlechten Gewissens

Cicero | 27.06.20

Junge Journalisten wollen immer öfter ihre Leser moralisch erziehen. Was dabei „das Richtige“ ist, scheinen sie ganz genau zu wissen und berufen sich auf eine fragwürdige Wissenschaft. Das ist anmaßend – und diskriminierend. […]
Dass es – vor allem was die Ethik betrifft – keine absolute Wahrheit gibt, sondern eine Fülle von Annahmen, Theorien und Weltbildern, ist die Voraussetzung, um überhaupt Wissenschaft zu betreiben. Dass sich nun junge Journalisten anmaßen, die moralische Weltformel gefunden zu haben – und sie tatsächlich als Erziehungsmaßnahme in die Praxis umsetzen – ist nicht nur unfassbar dogmatisch, sondern lässt auch einen akademischen Größenwahn erkennen.

Kommentar:

Fragen:
a) Hat bzw. wie hat sich an den Hochschulen das Verständnis von Wissenschaft verändert?
b) Wie „qualifiziert“ wird an Schulen unterrichtet werden können, wenn zunehmend mehr Lehrer nach diesem Wissenschaftsverständnis ausgebildet werden?
c) Wie lange wird es kritische Artikel wie diesen im Cicero noch geben (dürfen)?
d) Wer kann in Zukunft noch Leserkommentare wie die zu diesem Artikel schreiben können / zu schreiben wagen?
e) Wie ist es mittelfristig um die Demokratie in Deutschland bestellt.
f) In welcher Schublade ist der Kommentator jetzt gelandet?

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