Das werden die Verantwortlichen nicht gerne hören

Das werden die Verantwortlichen nicht gerne hören

Das «unterschätzte Virus»: Wie Deutschland sehenden Auges in die «Corona-Katastrophe» schlitterte

Neue Züricher Zeitung NZZ | 13.12.20

Seit zehn Monaten grassiert die Pandemie, seit zehn Monaten debattieren deutsche Politiker über Massnahmen dagegen. Effiziente Prävention blieb dabei auf der Strecke. Das Resultat ist der zweite harte Lockdown. […] Die wohlfeile Einschätzung, dass alle im Nachhinein immer klüger seien, ist nicht nur in Corona-Zeiten banal. Politik kann grundsätzlich nur mit Annäherungswerten operieren. Sie muss bei der Bekämpfung einer Pandemie auf Virologen hören, aber ebenso auf Ökonomen, Juristen, Seniorenverbände oder Eventveranstalter. Dass sich in diesem institutionalisierten Interessenausgleich nicht immer maximal wirksame Lösungen realisieren lassen, liegt in der Natur der Dinge. Aber auch die grössten Schwierigkeiten, eine ausgewogene, gesellschaftlich akzeptable Therapie zu finden, entschuldigen Schlampereien in der Prophylaxe nicht. Solche müssen sich Bund und Länder – und zwar ungeachtet der zuweilen schwierig einzuschätzenden Sachlage – tatsächlich vorhalten lassen:

Kommentar:

Aktuell haben 159 Leser den Artikel aktuell z.T. ausführlich kommentiert. Gedankt sei aber an erster Stelle dem Leser, der den Link zu einer Studie der Uni München vom 11.12.20 zur Verfügung stellt, die man unbedingt lesen sollte.
https://www.stablab.stat.uni-muenchen.de/_assets/docs/codag-bericht-4.pdf
Ihr erstes Ergebnis lautet: „Todesfälle durch COVID-19 -Adjustiert auf die Einwohnerzahl zeigt sich keine ausgeprägte Übersterblichkeit“

 

Das bestätigt die Position eines anderen Lesers:
„Ich verspüre wenig Lust, mir das Narrativ vom unterschätzten Virus zu eigen zu machen, das alle paar Monate von der Politik in die Runde geworfen wird, um noch striktere Freiheitsbeschränkungen zu rechtfertigen. Spahn, Wieler et al. haben uns diesen Bären schon vor Monaten aufbinden wollen. Das Problem ist doch vielmehr die ständige reißerische Dramatisierung dieser Viruserkrankung: abstürzende Flugzeuge à la Söder, „heimtückisches Virus“ à la Merkel. Laut Statista zählen wir heute (14.12.) 2.463 Menschen unter 80 Jahren, die in den letzten elf Monaten in Deutschland mit dem Virus verstorben sind. Im gleichen Zeitraum sind ungefähr 850.000 Menschen insgesamt verstorben, die Zahl der „Coronatoten“ in der Altergruppe 0-79 liegt damit bei ca. 0,3 Prozent. Alle anderen mit Covid-19 Verstorbenen (16.851) haben das durchschnittliche Lebensalter entweder erreicht oder überschritten. Da zudem keine Übersterblichkeit vorliegt und z. B. die Initiave Qualitätsmedizinin ihren rund 270 deutschen Spitälern sogar einen Rückgang von Atemwegserkrankungen sieht (inkl. „Corona“), ist davon auszugehen, dass diese Menschen ohnehin in Kürze verstorben wären, an Influenza, Streptokokken, einem Sturz oder was auch immer. Das ist ein völlig normaler Vorgang, so wie auch der Anstieg an Viruspneumonien ist jahreszeitlich normal. Unter diesen Umständen sehne ich mich nicht nach Straßensperren, Polizeikontrollen und Razzien, um die ohnehin unverhältnismäßigen Maßnahmen durchzusetzen.“

 

Und noch ein Kommentar:
„Christoph Prantner hat natürlich vollumfänglich recht. Dabei benennt er nur die Spitze des Eisberges. Denn zur Wahrheit gehört auch, daß die Bundesregierung seit mehr als 7 Jahren wußte, was auf uns zukommt https://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/120/1712051.pdf
Was sie getan hat: nichts. Keine Pläne, keine Vorbereitungen, keine Vorräte. Nicht einmal EDV-Ertüchtigung der Gesundheitsämter. Wen das bisher interessiert: niemanden. Meine Bewertung dazu ist: Daß andere Regierungen noch mehr versagt haben, ist weder eine Entschuldigung für Tote (durch COVID wie als Folge seiner Bekämpfung) noch für die entstandenen Milliardenschäden in Wirtschaft und Gesellschaft – und die Insolvenzwelle kommt erst noch. Zur Erinnerung: Politik ist nicht nur Marketing/Sales und Verwaltung ist nicht nur Bürokratie. Oberster Zweck beider ist die Daseinsvorsorge für die Gesellschaft. Und da ist die Leistung im Falle dieser Pandemie nicht mangelhaft, sondern ungenügend.“

(201)