Gedenken erst nach öffentlichem Druck

Gedenken erst nach öffentlichem Druck

Bundestag gedenkt der Opfer des Berliner Anschlags

Süddeutsche Zeitung | 19.01.16

Einen Monat nach dem Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtmarkt gedenkt der Bundestag heute der Opfer. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wird zu Beginn der Parlamentssitzung mit einer Rede an die Toten und Verletzten erinnern. An dem Gedenken wird auch Bundespräsident Joachim Gauck teilnehmen. Das Staatsoberhaupt wird nach Angaben der Bundestagsverwaltung selbst aber nicht reden.

Kommentar:

Zunächst ist das eine ganz sachliche Information. Beim zweiten Lesen stellt sich aber die Frage, warum der Bundestag erst einen Monat nach dem Terroranschlag der Opfer gedenkt. Noch nachdenklicher wird man, wenn man weiß, dass der Berliner Tagesspiegel bereits am 3. Januar unter der Überschrift „Mehr Reflex als Trauerritual“ die Frage „Wird in Berlin der Opfer angemessen gedacht?“ mit einem klaren Nein beantwortet hat.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/gedenken-an-die-terroropfer-in-berlin-mehr-reflex-als-trauerritual/19206426.html
Zwei Tage später fragte der Cicero unter der Überschrift „Die falschen Toten“, warum „die Bundesregierung nach dem Attentat in der Bundeshauptstadt zu keinem öffentlichen Gedenken bereit war? [Warum] die Staatsspitze es bei der stummen Teilnahme am Gedenkgottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am 20. Dezember bewenden lässt?“
http://cicero.de/berliner-republik/berliner-attentat-die-falschen-toten
Nur der mediale Druck hat wohl nun die Regierung und das Parlament veranlasst, wenigstens „zu Beginn der [normalen] Parlamentssitzung“ der Opfer zu gedenken.
Wie endet der Artikel im Tagesspiegel?
„Die Beisetzung des von Amri ermordeten Lastwagenfahrers [in Polen] glich einer nationalen Trauerfeier. Hier in Berlin ist Leere.“
Westliche Werte?

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