Querdenken erlaubt?

Querdenken erlaubt?

Liebe zum Lockdown: Wie die Politik von ihrem Versagen in der Corona-Krise ablenkt

Focus | 12.12.20

Oberflächlich betrachtet sieht es so aus, als ob das Virus ganz Deutschland im Griff hielte. Der bayerische Ministerpräsident sprach vom „Schlendrian“, der Einzug gehalten habe, als er Anfang der Woche den Katastrophenfall ausrief. Das klang so, als ob sich das Virus weiter ungebremst ausbreiten würde, weil die Bürger zu leichtsinnig wären. Aber das stimmt nicht. Die Infektionszahlen sind in den meisten Altersgruppen seit drei Wochen weitgehend stabil. Es gibt eine Ausnahme, das ist die Altersgruppe ab 60. Dort steigen die Infektionen überproportional an, ab 85 Jahren dramatisch. Bei den über 85-Jährigen liegt die Inzidenz mittlerweile bei 287, bei den über 90-Jährigen bei 494. Es sind die Alten, die die Statistik verderben, nicht die Jungen.

 

Ein ähnliches, noch düsteres Bild zeigt sich bei den Toten. In den Medien wird der Eindruck erweckt, als würde das Virus nicht nach Alter oder Gesundheit diskriminieren. Covid als der große Gleichmacher, das klingt schrecklich und beruhigend zugleich. […] In Wahrheit sind 87 Prozent der Covid-Toten älter als 70 Jahre alt, das Durchschnittsalter liegt bei 83 Jahren. Sicher, es gibt auch den Leistungssportler, der dem Virus zum Opfer fällt. So wie es Kinder gibt, die an Krebs erkranken. Wenn die Fallzahl groß genug ist, findet sich für alles ein Beispiel. Aber die Wahrscheinlichkeit, als junger Mensch an Covid zu sterben, ist nach wie vor verschwindend gering.
Der Hotspot ist nicht die Schule, es ist das Altenheim. Wenn man wie Söder vom Schlendrian sprechen will, dann müsste man sich die Heimbetreiber vornehmen. Oder die Landesregierung, die es versäumt hat, für einen ausreichenden Schutz der alten Menschen zu sorgen. Aber so ist das mit dem Schlendrian selbstverständlich nicht gemeint. Schuld sind immer die anderen. Das Spiel beherrscht auch der bayerische Ministerpräsident. […]
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass die Politik im Nebel stochert und ihr das im Grunde völlig egal ist. […]
Politiker lieben den Lockdown, er beweist Entscheidungsfreude und erspart Differenzierungen. Einen harten Lockdown hat es allerdings weder in Südkorea noch in Japan gegeben. Entweder weiß Lauterbach das nicht, oder er will es nicht wissen. In jedem Fall offenbart seine Antwort ein bestürzendes Maß an Unkenntnis, das für den Diskussionsstand in der Regierung das Schlimmste vermuten lässt.

Kommentar:

Der Artikel spricht für sich. Daher statt eines eigenen Kommentars nur 4 Leserkommentare:
1) „Vielen Dank an Herrn Fleischhauer für diese hervorragende Kolumne. Leider kann ich nicht mehr schreiben, da sonst wieder alles abgelehnt wird. Deshalb nur soviel: danke für das Wunder der Veröffentlichung dieser Kolumne. Besser kann man die Situation nicht beschreiben.“
2) „Das Agieren unserer Politiker lässt nur zwei Schlüsse zu, entweder völlige Ahnungslosigkeit oder Absicht. Ersteres wäre im Hinblick auf die Dauer der Situation fatal und müsste den Posten als Politiker obsolet machen. Nichts desto trotz erscheinen immer mehr Aktionen hilflos und vor allem unlogisch. Sollte die Politik nicht bald einen angemessenem Rahmen finden, so droht die Stimmung in Deutschland zu kippen. Eine Impfung ohne Langzeit Studie setzt dem ganzen die Krone auf. Der Bürger hat langsam kein Verständnis mehr und sorgt sich um seine Gesundheit und finanzielle Zukunft.“
3) „Gerade zu den Tests in Pflegeheimen kann man nur sagen: Dilettantischer gehts nicht! Ich arbeite selbst im Pflegeheim und wir Mitarbeiter werden jetzt seit Montag dieser Woche wöchentlich getestet. Die Bewohner auch, wenn sie zustimmen. Die Angehörigen, die das Virus bei Besuchen ins Heim einschleppen können, werden darüber informiert, dass wir ab sofort Tests anbieten, diese sind aber nicht verpflichtend. Wenn also ein Angehöriger ablehnt sich testen zu lassen, dann können wir nichts machen, müssen ihn aber trotzdem ins Heim lassen. Das ist für mich wischi-waschi, aber keine Schutzmaßnahme für unsere Bewohner! Dann können wirs auch gleich ganz bleiben lassen!“
4) „Das Durchschnittsalter der an CORONA verstorbenen liegt bei 83 Jahren. Laut dem statistischen Bundesamt lag die mittlere Lebenserwartung der Männer im Jahr 2019 bei 78,5 Jahre. Laut den offiziellen Statistiken erhöht sich damit meine Lebenserwartung durch CORONA um 4,5 Jahre. Wenn diese Statistiken stimmen, muss ich CORONA dankbar sein.“

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