Ein Kommentar der NZZ

Ein Kommentar der NZZ

Der künftige CDU-Chef muss bürgerlichen Wählern in Deutschland wieder eine Heimat geben

Neue Züricher Zeitung NZZ | 11.02.20

Die meisten Journalisten und Politiker sahen in der Wahl von Thüringen einen Dammbruch und eine Schande, selbst das Wort «Zivilisationsbruch» wurde verwendet. […] Viele Politiker von CDU, CSU und FDP offenbaren ein merkwürdiges Verständnis von Demokratie. Die Eigenständigkeit der Bundesländer, der Föderalismus, scheint ihnen wenig zu bedeuten. Die demokratische Wahl eines FDP-Politikers wurde von den bürgerlichen Parteispitzen in Berlin aufs Schärfste verurteilt, weil sie mit Stimmen der AfD zustande kam. CDU, CSU und FDP haben die Stimmung der linken Parteien gleich antizipiert, aus Angst, in der AfD- und letztlich in der Nazi-Schublade zu landen. […] Allerdings ist das Prinzip der CDU, wonach keine politische Entscheidung von den Stimmen der AfD abhängig sein darf, unsinnig – es wird den Realitätstest in Zukunft nicht bestehen. […] Die CDU braucht deshalb eine glaubwürdige, selbstbewusste, bürgerliche Figur an der Spitze, die die Zusammenarbeit mit der AfD nicht sucht, aber auch nicht panisch reagiert, wenn er oder sie ungebeten Schützenhilfe der AfD erhält. […]
Kramp-Karrenbauer hat der Kanzlerin nun etwas voraus: Sie hat ihren Rücktritt nicht verpasst.

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