Ein unaufgeregter und besonnener Kommentar

Ein unaufgeregter und besonnener Kommentar

Die schwerste Krise der EU – Zwischen Himmel und Hölle

FAZ | 24.06.16

Auch in gemäßigteren Kreisen war schon vor der Abstimmung die Ansicht anzutreffen, ein Ausscheiden Britanniens wäre nur die Quittung für eine verfehlte Einigungspolitik, die zu einer wachsenden Entfremdung der Europäer von ihrem zentralen politischen Projekt geführt habe. […] Doch die Zeiten der hellen Europabegeisterung sind selbst in Deutschland vorbei. […] In vielen Fällen sind daran die Uneinigkeit der Mitgliedstaaten schuld und ihr Unwille, sich an Vereinbartes zu halten. […] Dann könnten eines Tages die Ansichten noch einmal wechseln, was Traum ist und was Albtraum.

Kommentar:

Alle, die jetzt in Panik verfallen, seien noch einmal an die beiden Artikel in dieser Presseschau erinnert:
1. Am 15.06.16 findet man im Cicero den Artikel „Das schuldige Schweigen der Europäer“. Am Ende des Artikels wird die Frage gestellt, „ob es sich noch lohnt, für dieses Europa zu kämpfen. Schließlich kämpfen ja nicht einmal die EU-Chefs für dieses Europa.“ Die Antwort: „Vielleicht lohnt es sich am Ende gar nicht mehr.“
http://www.cicero.de/weltbuehne/brexit-das-schuldige-schweigen-der-europaeer
 

2. Schon am 15.05.16 meldete die Welt unter der Überschrift „EU-Spitzen verzichten auf Reisen nach Großbritannien“: „EU-Ratspräsident Donald Tusk, der Chef der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, und der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, verzichten demnach bewusst darauf, vor Ort die Pro-Europäer zu unterstützen, um keine Angriffsflächen für die britischen EU-Gegner zu bieten.“
http://www.welt.de/politik/ausland/article155355510/EU-Spitzen-verzichten-auf-Reisen-nach-Grossbritannien.html
 

Unser Kommentar schon damals:
Ein größeres Armutszeugnis kann sich keiner selbst ausstellen wie die „Spitzenkräfte“ der EU: Juncker, Schulz (auch potenzieller Kanzlerkandidat der SPD!) und Tusk bestätigen, dass das eigene Auftreten in GB die Abneigung gegen die EU verstärken könnte. Anders formuliert: Juncker, Schulz (auch potenzieller Kanzlerkandidat der SPD!) und Tusk bestätigen, dass sie der EU schaden, wenn sie sich sehen lassen. Gilt das nur für GB?
Frage:
Wie soll die EU für die Bürger attraktiv sein, wenn ihr Spitzenpersonal Angst hat vor der Begegnung mit kritischen Bürgern? Hat man keine überzeugenden Argumente?

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