Folgen der deutschen Schulpolitik

Folgen der deutschen Schulpolitik

Fast jeder Dritte bricht sein Studium ab

FAZ | 01.06.17

Die Zahl der Studienabbrecher an deutschen Hochschulen steigt an, wie aus einer großangelegten Studie hervorgeht. Vor allem aus zwei Gründen beenden viele Studenten vorzeitig ihr Studium. […] Unter denjenigen, die ein Bachelor-Studium ohne Abschluss beendeten, seien „unbewältigte Leistungsanforderungen“ der Hauptgrund (30 Prozent) vor mangelnder Motivation (17 Prozent). Für 15 Prozent ist der Wunsch nach mehr Praxis entscheidend. Finanzielle Engpässe und die schwierige Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Studium spielen der Untersuchung zufolge eine nachrangige Rolle.

Kommentar:

Auch hier wieder ein gutes Beispiel dafür, dass in Deutschland Probleme aller Art sprachlich verharmlost werden: Was bedeutet die Formulierung „unbewältigte Leistungsanforderungen“ denn anderes, als dass fast jeder 3. Studienanfänger trotz des Zeugnisses der der Allgemeinen Hochschulreife (Reife!) oder der Fachhochschulreife (Reife!) an den Hochschulen „überfordert“, also „nicht studierfähig“ ist?
[Was passierte wohl, wenn ein Automobilkonzern Autos produzierte, bei denen sich nach kurzer Zeit „unbewältigte Leistungsanforderungen“ zeigten, die sich also nach kurzer Zeit als „fahruntüchtig“ erwiesen? Würde der Konzern trotzdem immer neue Erfolgsmeldungen veröffentlichen? Würden die potenziellen Käufer das glauben?]
Und was soll man von deutschen Abiturienten halten, die zwar studieren wollen, aber nicht motiviert sind? Waren sie es denn in der Schule? Wie motiviert werden sie denn in einer Berufsausbildung und im Berufsalltag sein?
Man sollte sich für die Bundestagswahl merken, wer für die Misere verantwortlich ist – jedenfalls nicht die AfD. Sie sieht die Dinge anders, wie jeder in ihrem Wahlprogramm nachlesen kann (vgl. Seite 43):https://www.afd.de/wp-content/uploads/sites/111/2017/06/2017-06-01_AfD-Bundestagswahlprogramm_Onlinefassung.pdf
„Wir bekennen uns zur umfassenden Bildung, die zur Entfaltung der Persönlichkeit sowie zur Wahrnehmung der staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten notwendig ist. Die Politik der etablierten Parteien, die eine nivellierende Einheitsschule anstrebt und dabei Qualitätsverlust in Kauf nimmt, bedroht die Zukunftschancen junger Menschen und somit auch die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft.
Die Bildungsstandards der verschiedenen Schulformen müssen sich an den Anforderungen der weiterführenden Bildungseinrichtungen ausrichten, damit der Übergang von der Schule in die Ausbildung oder zum Studium ohne zu große Enttäuschung verläuft.
Wir fordern die Abkehr von geschwätziger Kompetenzorientierung und die Rückkehr zur Vermittlung des Fachwissens als zentrales Anliegen der Schule. […] Die Bildungsstandards in allen Schulformen müssen sich an dem jeweils höchsten Niveau in Deutschland ausrichten. Zugangsvoraussetzung für das Gymnasium dürfen allein landesweit verbindliche Leistungskriterien sein. Das Abitur muss wieder zum Ausweis der Studierfähigkeit werden, der Haupt- oder Realschulabschluss zu qualifizierter Berufsausbildung befähigen.“
Man kann nachvollziehen, warum sich die verantwortlichen Parteien mit der AfD nicht über Inhalte ihres Programms auseinandersetzen wollen: Es könnten ja Wähler die Ziele der AfD gut finden!

(1254)