Guter Artikel – Wirkung gleich null

Guter Artikel – Wirkung gleich null

Hat der Journalismus das Aushalten verlernt?

DIE WELT | 13.06.20

Ist es in Ordnung, wenn sich Journalisten als politische Akteure begreifen? Nein, findet Johannes Boie. In einer Zeit, in der Statuen geschleift und Filme aus den Programmen getilgt werden, sollte die vierte Gewalt nur eines machen: ihren Job. […] Für die – ja, auch im Zeitalter sozialer Medien – vierte Gewalt im Staat wird es brenzlig, wenn sich Journalisten als politische Akteure begreifen, als Erzieher, die eine neue Gesellschaft prägen werden.

Kommentar:

Unter dem, was der „Spiegel“-Redakteur Philipp Oehmke „entschiedenen Journalismus“ nennt, hat besonders die AfD zu leiden. Sie wird bekämpft durch „Stimmungsmache“ und durch Verschweigen.
Die „Meinung“ von Johannes Boie findet bei den Lesern größte Zustimmung, die Wirkung seines Beitrags dürfte aber nur marginal sein.

 

1) „Ach, Herr Boie. Wenn eine Selbstverständlichkeit zum neuen Credo erhoben werden muss, ist das Ausmass der Misere mehr als sichtbar. Ich sehe nicht, wie Vertrauen zurück gewonnen werden kann. Besonders da täglich zahlreiche Artikel, auch auf welt.de, die Grundsätze des Journalismus ( sagen, was ist, nicht mit einer Sache gemein machen.) vernachlässigen. Hier wird die Intelligenz und Klugheit der Leser beleidigt.“
2) „Wie sollen die Menschen bei einem so fehlgeleiteten Journalismus noch lernen, andere Meinungen als ihre eigene zu akzeptieren. Was mir in vielen Debatten mit Freunden, aber auch in den Medien auffällt: Jeder oder jede fühlt sich sofort angegriffen, wenn ihm/ihr widersprochen wird. Es wird als Beleidigung wahrgenommen und das führt dazu, dass öffentliche wie auch private Diskussionen wahnsinnig emotionalisiert werden, sodass kein konstruktiver Meinungsaustausch mehr stattfinden kann. Ein gute Diskussionskultur zeichnet sich nicht dadurch aus, wie viele Leute am lautesten schreien können, sondern dadurch , dass wir versuchen, uns zu Themen, die uns interessieren, Wissen und Argumente anzueignen, sodass Diskussionen stattfinden können, ohne Sprechchöre des Mainstreams wiederzugeben. Und ganz wichtig: keine Beleidigungen, die leider in so vielen Artikeln durch Nebensätze eingeschleust werden. Diejenigen, die realisieren, dass die Meinungskultur immer einseitiger wird, sind diejenigen, die an Stärke gewinnen. Denn sie lernen eigenständiges Denken.“
3) „Man hört häufiger von Menschen, die Journalist/in geworden sind, sie hätten diesen Beruf ergriffen, um die Welt zu verändern. Das sagt über das Selbstverständnis dieser Art von Journalismus eine Menge aus. Die Frage, ob Journalisten für die Veränderung der Welt demokratisch legitimiert sind, wird von den Haltungsjournalisten nicht gestellt.“
4) „Aus meiner Erfahrung aus der DDR-Zeit kann ich nur sagen: Das ist nur ein kleiner Vorgeschmack von dem, was kommen wird, wenn der Sozialismus wieder an die Macht kommt.“

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