Nanu! Sarkasmus in der FAZ?

Nanu! Sarkasmus in der FAZ?

Mit Plattitüden gegen die Pandemie

FAZ | 21.09.20

Wer die gegenwärtige Misere der Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erleben wollte, bekam bei Anne Will einen bemerkenswerten Anschauungsunterricht. Eine Debatte fand nicht statt, stattdessen gab es ein Poesiealbum von Allgemeinplätzen.
[…] So versuchte es auch Frau Weisband mit Einschätzungen zur medizinischen Situation. Sie fand es „ganz gefährlich“ mit leeren Intensivbetten zu argumentieren. Jedes belegte Intensivbett sei „ein belegtes Intensivbett zu viel“. Diese merkwürdige Argumentation war der Höhepunkt als absoluter Nullpunkt dieser Sendung. Es war eine Aussage ohne nachvollziehbaren Sinn.
[…] In Frankreich und Spanien gibt es signifikant höhere Infektionszahlen, trotz einer schärferen Maskenpflicht und härterer Hygieneregeln. Das wollte leider niemand diskutieren […].“ Schließlich könnte ein Strategiewechsel den Zuschauer auf die seltsame Idee bringen, die bisherige Strategie wäre falsch gewesen sein. Das kann aber gar nicht sein, obwohl Yogeshwar gleichzeitig die Lernfähigkeit als eines der positiven Zeichen beim Umgang mit dieser Pandemie definiert hatte.
So kann man wenigstens hoffen, dass sich einige Zuschauer an diesem Abend wenigstens Montgomerys „gepflegtes Glas Rotwein“ gönnten. Dem werden positive gesundheitliche Effekte zugeschrieben. Ansonsten war dieses sonntägliche Kaffeekränzchen ein journalistisches Desaster, das das Vertrauen in die publizistische Relevanz solcher Formate erschüttern könnte.

Kommentar:

Wo sind wir angekommen, wenn selbst die FAZ sich in Sarkasmus flüchten muss? Wo gibt es noch echte Diskussionen auf der Sachebene? Werden die (zwangsweise Gebühren zahlenden) Zuschauer nicht mehr ernst genommen? Sollen sie gar „eingelullt“ werden? Das wäre schlimm!

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