Wieder ein guter Beitrag der NZZ zur persönlichen Urteilsbildung

Wieder ein guter Beitrag der NZZ zur persönlichen Urteilsbildung

Deutschland im Jahre 2020: Es verbietet sich jede Parallelisierung zur Weimarer Republik

Neue Züricher Zeitung NZZ | 19.03.20

Nun jährt sich der Tag der deutschen Einheit bald zum 30. Mal. Kräfte, die eine Sezession anstreben, fehlen ganz und gar. Die deutsche Demokratie ist ungeachtet anfangs widriger Umstände nach der Einheit, ungeachtet anhaltender Spannungen zwischen Ost und West durch die Vereinigung nicht destabilisiert worden. Vorgänge, die seither Krisensymptome erkennen lassen, fussen vor allem auf gesamtgesellschaftlichen Ursachen wie Individualisierung […], weniger auf spezifischen Vereinigungsfehlern. […] «Krise» ist ein grosses Wort, mit dem oft – aus unterschiedlicher Sicht – Missbrauch getrieben wird. Von Krise sprechen schwarzmalende Kritiker, ohne dass eine solche vorliegt. Und umgekehrt leugnet Gesundbeterei offenkundig Systemschwächen, wobei nicht jeder Wandel ein Symptom des Verfalls sein muss. Allerdings begünstigt der Trend zur Mitte Repräsentationslücken im Parteiensystem. Die etablierte Demokratie kann durch ein überzogenes Konfliktdenken gefährdet sein wie durch ein überzogenes Konsensdenken, das gesellschaftliches Brodeln nicht ernst nimmt. Aus Angst davor, an den Pranger gestellt zu werden, wütet eine «alle gegen einen»-Strategie. Sie ist unfair, selbstgerecht, widerspricht demokratischen Spielregeln und verfängt wohl nicht.

Kommentar:

Der Artikel in der NZZ stammt von „Eckhard Jesse, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Chemnitz, [er] ist Demokratie-, Parteien- und Extremismusforscher.“
Frage: Warum werden solche Texte von deutschen Autoren häufig in der NZZ veröffentlicht, aber nur selten in deutschen Medien?

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