Ausgewogen wie immer: Die NZZ

Ausgewogen wie immer: Die NZZ

Mehr Freiheit, eine bessere Welt? Berlin im Bann der Proteste gegen die staatliche Corona-Politik

Neue Züricher Zeitung NZZ | 30.08.20

Rund 40.000 Menschen trafen sich in der Hauptstadt, um neben einem Sammelsurium an politischen Losungen «Widerstand» zu rufen, «Freiheit» zu fordern und der Kanzlerin und dem Gesundheitsminister ihre Ungunst auszudrücken. «Merkel muss weg» stand ebenso auf T-Shirts und Plakaten wie «Liebe ist der Schlüssel», «Bereit für den Frieden» oder, locker am Hals einer jungen Frau baumelnd, die rhetorische Frage «Sehen so Nazis aus?». […] Was sagt Christoph aus Wuppertal zu den Argumenten der Gegendemonstranten? Dass sich mit Faschisten gemeinmache, wer hier mitmarschiert? Christoph muss nicht lange überlegen: «Wenn sich ein paar hundert Rechtsextreme an eine Demonstration von vielen Zehntausenden hängen, wird daraus keine rechtsextreme Demonstration.» So sehen es die meisten. […] Um 11 Uhr 30 wird die Anweisung der Polizei bekannt, nun müsse die Maske doch getragen werden, da der Abstand zwischen den Demonstranten nicht ausreiche. […] Und warum, fragen sich die Demonstranten, ist es hier überhaupt so eng? Doch wohl nur, weil die Polizei mit ihren Mannschaftswagen und mit zwei Wasserwerfern den Demonstrationszug auf der Höhe der Hannoverschen Strasse eingekesselt hat. Wie soll man Abstand halten, wenn man sich nicht bewegen darf? Von Schikane und Zermürbungstaktik ist die Rede. […] Die weit überwiegend friedlichen Berliner Demonstranten aber haben sich als qualifizierte Minderheit erwiesen – eine Minderheit mit disparaten, teils problematischen, teils legitimen Ansichten. Sie unterschiedslos in den Ruch des Extremen zu stellen, trüge […] weiter zur Polarisierung bei. Das nämlich war die positive Lehre von Berlin: Der Rechtsstaat funktioniert. Er hält Rechtsextreme davon ab, den Bundestag zu stürmen, und er garantiert friedlichen Demonstranten ihr Recht auf Versammlung und Meinung.

Kommentar:

Ist es auch für Sie interessant bis erschreckend zu sehen, wie intensiv in den Medien bis hin zum Bundespräsidenten die Deutungshoheit über die Berliner Demo beansprucht und damit zur Polarisierung der Gesellschaft beigetragen wird. Kaum ein Wort dazu, dass sich ca. 40.000 Menschen regierungskritisch zu Wort gemeldet haben, vielmehr immer wieder gebetsmühlenartig der Hinweis auf die verhältnismäßig kleine Gruppe von Extremisten. Man will wohl um jeden Preis den Eindruck vermitteln, nicht dass sich Extremisten der Großdemo angeschlossen haben, sondern dass sich über 30.000 Menschen ohne Verstand extremistischen Gruppen angeschlossen hätten und dass sie das bitte nicht noch einmal tun sollten.

 

Gut, dass die NZZ dieses „Spiel“ nicht mitmacht und Leute wie „Christoph, Online-Manager in Wuppertal, ein adretter Mann Ende zwanzig, kein Schild“ zu Wort kommen lässt. „Ihn treibt die Sorge um, ein Staat, der Grundrechte einmal kassiert habe, werde diese nicht mehr an die Bürger zurückgeben. […] Früher war Christoph «total links». Er habe erkannt, dass man als «freier, mündiger Bürger» für seine Rechte kämpfen müsse. Darum sei er hier.“

 

Und wie steht die AfD zu dem „Sturm auf den Reichstag“? Hier die Stellungnahme von Alice Weidel, Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag:
„Es ist inakzeptabel, dass einige Chaoten nach der friedlichen Corona-Demonstration in Berlin die Polizei-Absperrungen vor dem Reichstag durchbrochen haben. Dieses Verhalten ist genauso falsch wie der Missbrauch des Reichstages durch Greenpeace-Aktivisten für ihre Propaganda vor einigen Wochen“, erklärte sie am Sonntag. „Das Gebäude steht für den parlamentarischen Meinungsstreit im Plenarsaal und darf nicht als Objekt politischer Auseinandersetzungen auf der Straße missbraucht werden – egal von welcher Seite.“
https://www.t-online.de/region/berlin/news/id_88486512/weidel-ereignisse-am-reichstag-inakzeptabel.html

 

Fazit: Ein Glück, dass es die NZZ gibt und dass sie auch über das Internet von jedem gelesen werden kann. Wie nur wenige Medien garantiert sie Meinungsvielfalt, das Lebenselixier der Demokratie.

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