Austritte aus der AfD

Austritte aus der AfD

Exodus der Gemäßigten?

Die Tagespost | 28.01.20

Sie ist die Fünfte aus den Reihen der AfD-Bundestagsabgeordneten, die ihrer Partei den Rücken kehrt: Verena Hartmann, früher einmal Polizistin und aus Sachsen, hat gestern ihren Rücktritt erklärt. Vorangegangen war ihr erst im Dezember Lars Herrmann, ebenfalls ehemaliger Polizist und aus Sachsen. Die beiden hatten im Sommer zu den Mitunterzeichnern eines Appells gemäßigter Parteimitglieder gehört, der sich gegen den rechtsnationalen „Flügel“ gewendet hatte. […] Hartmann hat bis jetzt noch keine Gründe für ihren Austritt genannt. Es spricht aber doch vieles dafür, dass sie die Konfrontation mit den recht dominant auftretenden Flügel-Vertretern satt hatte.

Kommentar:

Es geht auch sachlich. Die Tagespost unterscheidet deutlich zwischen Nachricht und Kommentierung. Sie kommentiert auch nicht einseitig, was sich z.B. an dieser Stelle besonders deutlich zeigt: „So wurde jetzt bekannt, dass Jens Maier [….] ihr bereits zu Beginn der Legislaturperiode in einer Sitzung gedroht haben soll: „Wir machen dich fertig.“ Freilich solche parteiinternen Querelen sind nichts AfD-Spezifisches, auch der rauhe Tonfall nicht. Man denke etwa an die Grünen, die auch noch ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung massiv unter den Kämpfen zwischen „Realos“ und „Fundis“ zu kämpfen hatten.“

 

Interessant sind auch die folgenden Abschnitte aus der ZEIT vom 27.01.20:
„Hartmann berichtete zudem von negativen Reaktionen auf ihre AfD-Mitgliedschaft, mit denen sie im privaten Umfeld konfrontiert gewesen sei. Sie sagte damals: „Die Diskriminierung in der Gesellschaft, das muss man aushalten können.“
Im Dezember hatte bereits Lars Herrmann, der wie Hartmann früher Polizist war, seinen Austritt erklärt. Wie aus einem Gutachten der AfD hervorgeht, könnte eine drohende Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz ein Grund für die Austritte der beiden Ex-Polizisten sein. Die Beamten in der Partei sind durch eine mögliche Verfassungsschutzbeobachtung beruflich besonders gefährdet.
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