„In einer Woche ist Ostern. Macht die Tore auf. Wir feiern Auferstehung.“

„In einer Woche ist Ostern. Macht die Tore auf. Wir feiern Auferstehung.“

In der Krise braucht der Geist Hilfe: Wo ist die Kirche, wenn Menschen in Not sind?

Focus | 07.04.20

Wir erleben in Deutschland gerade, dass alles geschlossen wurde, was angeblich nicht systemrelevant und aus staatlicher Sicht verzichtbar erscheint: Fitnesscenter, Freizeitparks, Einkaufsmeilen, Kinos – und Kirchen. Kirchen? Man mag mich korrigieren, aber ich habe den Aufschrei meiner Kirche nicht gehört, als die staatliche Anordnung kam, auf Gottesdienste zu verzichten. Wo ist der Protest, wo ist der Aufstand der Seelsorger, der Hirten, der Priester und Pfarrer, die danach drängen, ihren Schäfchen gerade jetzt beizustehen?
Es ist nahezu verstörend, mit welch breitwilligem Einverständnis und Schweigen sich die deutschen Amtskirchen dem Willen des Staates widerstandslos gebeugt haben und damit auch der inhaltlichen Definition zustimmten: Ihr seid verzichtbar.

Kommentar:

In den 36 Leserkommentaren findet Frau Kelle so gut wie keine Zustimmung. Dabei wird sie doch von der Mehrheit in ihrer Aussage bestätigt, dass die Kirche für sehr viele Menschen offenbar aus den unterschiedlichsten Gründen „verzichtbar“ erscheint. Auch scheint vielen Menschen nicht mehr vermittelt worden zu sein, was – zumindest nach katholischem Verständnis – ein Gottesdienst eigentlich seinem Wesen nach ist. Das gilt wohl auch für das Osterfest, das höchste Fest im Kirchenjahr.

 

Man kann sich aber doch mit einigem Recht fragen, warum die Ansteckungsgefahr z.B. in Baumärkten geringer sein soll als in Kirchengebäuden, in denen „man die Zahl der Gläubigen im Kirchenraum tatsächlich zur Vermeidung von Infektionen begrenzen“ würde. Das gilt vielleicht auch für den Vatikan in Rom? Der Petersplatz in Rom ist so groß, dass eine Hl. Messe mit dem Papst grundsätzlich möglich sein müsste – auch mit begrenzter Teilnehmerzahl und dem gebotenen Sicherheitsabstand.
Und warum dürfen Menschen zum Beten offene Kirchen betreten, aber nicht zu einem Gottesdienst? Dann ist doch nur 1 Person mehr da, die den Gottesdienst leitet.

 

Dass die Kirche von der Mehrheit in unserer Gesellschaft vielleicht wirklich nicht mehr als „systemrelevant“ angesehen wird, könnte man aus der relativ geringen Zahl an Leserkommentaren ablesen. Es wäre aber aus Sicht des Kommentators wünschenswert, dass der Beitrag von Frau Kelle über diese 36 Leserkommentare hinaus breit diskutiert würde. Ostern ist dazu nicht der schlechteste Termin.

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