Mal etwas Grundsätzliches – wieder in der NZZ

Mal etwas Grundsätzliches – wieder in der NZZ

Die Ära der Werte ist vorbei – die Welt erlebt die Rückkehr der Realpolitik

Neue Züricher Zeitung NZZ | 30.11.18

Der Uno-Migrationspakt ist das Symptom einer Fehlentwicklung. Nach dem Ende des Kalten Kriegs begann der Westen, eine idealistische Aussenpolitik zu betreiben. Er tat so, als lasse sich die Welt mit Deklarationen wie dem Migrationspakt verbessern. Doch nun schwingt das Pendel zurück. Macht wird wieder wichtiger als Moral. […] Die «Ära der Werte» ist vorbei. Sie dauerte vom Ende des Kalten Kriegs bis zum Tag, als die Hoffnungen des Arabischen Frühlings welkten, bis in Ägypten das Militär wieder die Macht übernahm und in Syrien die Hölle losbrach. Damals erlitt der Versuch der USA Schiffbruch, durch die Distanzierung vom alten Partner Mubarak in Kairo eine «saubere» Aussenpolitik zu betreiben. Trump zog daraus eine simple Lehre. Wirtschaftliche Interessen und verlässliche Freunde im nahöstlichen Treibsand bedeuten ihm mehr als das Schicksal des von den Saudi ermordeten Aktivisten Jamal Khashoggi. […] Trump […] spricht in aller Offenheit aus, was man in Paris und London denkt und was man auch in Berlin erwägen würde, wenn man nüchternes aussenpolitisches Denken wagte. Nur in allerhöchster Not, als die Regierung in den Wirren des Flüchtlingsansturms unterzugehen drohte, erlaubte sich Kanzlerin Merkel so viel Ehrlichkeit. Obwohl Erdogan gerade die türkische Demokratie zu Grabe getragen hatte, schloss sie mit ihm ein Abkommen, das der EU einen Teil der Flüchtlinge vom Leibe hält. Realpolitik vor Werten auch hier.

Kommentar:

Ein sehr interessanter und lesenswerter Artikel, der grundsätzliche politische Fragen aufgreift und zu beantworten sucht. Eine sehr gute Grundlage für politische Diskussionen. Der Qualität des Artikels entspricht auch die Diskussion der Leserkommentare.

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