Man mag es kaum glauben

Man mag es kaum glauben

Ein Jahr lang marschierte die deutsche Politik im Gleichschritt – jetzt kehrt der Widerspruchsgeist endlich zurück

NZZ (Neue Züricher Zeitung) | 12.02.21

Während der Corona-Krise konnte sich die Regierung auf ein lammfrommes Volk verlassen. Das ist vorbei. Der verpatzte Impfstart schürt Unmut, und das Superwahljahr sorgt für Kontroversen. […]
Unterdessen mehren sich die Stimmen, die auch von der Kanzlerin selbst mehr Führung in dieser Schicksalsfrage verlangen.
Der «Spiegel» und die «Süddeutsche Zeitung», treue publizistische Paladine des Kanzleramtes, kritisieren neuerdings dessen Krisenmanagement: Das Hamburger Meinungsmagazin warnt vor einer «Verklärung» Merkels; die «SZ» verlangt, dass die Kanzlerin die Bekämpfung der Pandemie zur «Chefsache» macht. […]
Der Druck im Kessel steigt, nachdem sich die Politik ein Jahr lang auf ein lammfrommes Volk hat verlassen können. […]
Inzwischen kommt die Kritik aus dem Zentrum, vom Regierungspartner SPD und von den etablierten Medien, die mit Ausnahme des öffentlichrechtlichen Rundfunks allmählich ihre Aufgabe als Wächter wieder ernst nehmen. Das lässt sich nicht mehr so einfach abtun und in die Schmuddelecke stellen. Die Regierung muss sich wieder rechtfertigen und erklären. Diese Form des Krisenmanagements liegt der Kanzlerin bekanntlich nicht besonders.

Kommentar:

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