Nun auch „unbequeme Fragen“ im Focus

Nun auch „unbequeme Fragen“ im Focus

Wer ist das neue „Wir“? — Die Anti-AfD-Demos werfen unbequeme Fragen für die „schweigende Mitte“ auf

Focus | 25.01.24

Überall in Deutschland gehen Menschen auf die Straße. […] Es sind Menschen, die gegen Rechtsextremismus aufbegehren. Parolen wie „Nazis raus!“ oder „Alle zusammen gegen den Faschismus“ hallen durch die Straßen Deutschlands. […] Die Freude über die bisher „schweigende Mitte“, das „neue Wir“, das jetzt auf die Straße geht, ist groß. Und doch werfen die Proteste viele Fragen auf. Zu ihren Protagonisten, ihren Zielen, ihrer Zukunft.
Angefangen damit, dass gar nicht klar ist, wer eigentlich zum neuen „Wir“, zur Gemeinschaft „gegen rechts“ gehört. Oder besser: gehören darf. […] Wenn schon CSU-Politiker ausgeladen werden – was ist dann mit Handwerkern, Bauern, Spediteuren und anderen Menschen, die zuletzt gegen die Ampel-Regierung protestiert haben? […] Viele Protestler eint zudem der Wunsch nach einem AfD-Verbot. Große Teile von Union und FDP lehnen das ab. „Gehören sie und ihre Anhänger dann noch dazu, zum ‚Wir‘ der Demokratie-Kämpfer? […]
Unklar bleibt bei genauerer Betrachtung auch, gegen wen sich die Demonstrationen, an denen gerade so viele Bürger teilnehmen, eigentlich richten. „Gegen rechts“, gegen „die AfD“ – viel genauer wird es nicht.
Geht es um das Parteiprogramm? Die Mitglieder? Die Funktionäre? Die Wähler? Oder um jeden, der die AfD nicht zumindest komplett ablehnt?

Kommentar:

Nun auch kritische Töne und „unbequeme Fragen“ im Focus!
Die Leserkommentare sind ebenfalls kritisch. Hier nur ein Beispiel:
„Das klingt alles immer furchtbar schön, wenn es heißt: „Wir demonstrieren für die Demokratie“. Wenn allerdings die Regierung zu außerparlamentarischen Protesten gegen die politische Opposition aufruft, statt sich parlamentarisch mit ihr auseinanderzusetzen, dann hat das mit Demokratie nicht allzu viel zu tun. Man sollte sich also die Frage stellen, wer nun tatsächlich die „Feinde der Demokratie“ sind. Wenn man dann mal die letzten zwei Jahre Revue passieren läßt, könnte einem die Antwort möglicherweise nicht gefallen.“

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