Übrigens: Fast alle „Draufhauer“ haben im Bundestag mit der AfD gegen den 8. Mai als Feiertag gestimmt!

Übrigens: Fast alle „Draufhauer“ haben im Bundestag mit der AfD gegen den 8. Mai als Feiertag gestimmt!

Gauland lehnt dauerhaften Feiertag ab – Deutlicher Gegenwind für AfD-Fraktionschef nach Kritik am 8. Mai

Der Tagesspiegel | 06.05.20

„Der 8. Mai hat nicht das Potenzial zu einem Feiertag, weil er ein ambivalenter Tag ist. Für die KZ-Insassen ist er ein Tag der Befreiung gewesen. Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit“, sagte [Gauland] dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der 8. Mai lasse sich nicht „zum Glückstag für Deutschland machen“.

Kommentar:

Ein Leser der Kölnischen Rundschau hat am 12.05.20 u.a. geschrieben: „Unter Berufung auf die Rede Richard von Weizsäckers wird von Journalisten, Politikern und anderen, die sich dazu berufen fühlen, dieser Tag als „Tag der Befreiung“ bezeichnet. Alle, die sich nur so äußern, kennen die Rede unseres früheren Bundespräsidenten nicht oder verschweigen wichtige Passagen.“ Als Beleg zitiert er einen Teil der Einleitung der Rede.
Der Kommentator dieser Presseschau muss leider zugeben, dass er den Wortlaut der Weizsäcker-Rede auch nicht kannte, dass er erst durch den Leserkommentar neugierig geworden ist und dass er nach der Lektüre sehr nachdenklich geworden ist.

 

Von Weizsäcker beginnt nämlich seine Rede folgendermaßen:
„Viele Völker gedenken heute des Tages, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Seinem Schicksal gemäß hat jedes Volk dabei seine eigenen Gefühle. Sieg oder Niederlage, Befreiung von Unrecht und Fremdherrschaft oder Übergang zu neuer Abhängigkeit, Teilung, neue Bündnisse, gewaltige Machtverschiebungen – der 8. Mai 1945 ist ein Datum von entscheidender historischer Bedeutung in Europa. […] Der 8. Mai ist für uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewusst erlebt haben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurück. Der eine kehrte heim, der andere wurde heimatlos. Dieser wurde befreit, für jenen begann die Gefangenschaft. Viele waren einfach nur dafür dankbar, dass Bombennächte und Angst vorüber und sie mit dem Leben davongekommen waren. Andere empfanden Schmerz über die vollständige Niederlage des eigenen Vaterlandes. Verbittert standen Deutsche vor zerrissenen Illusionen, dankbar andere Deutsche vor dem geschenkten neuen Anfang. […] Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteiligen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg. […] Der 8. Mai ist ein Tag der Erinnerung. Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit.“
https://www.tagesschau.de/inland/rede-vonweizsaecker-wortlaut-101.html

 

Von Weizsäcker sieht das Ende des Krieges differenziert und nennt die unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen. Die Ambivalenz des Tages wird auch in folgendem Satz deutlich: „Wir in der späteren Bundesrepublik Deutschland erhielten die kostbare Chance der Freiheit. Vielen Millionen Landsleuten bleibt sie bis heute versagt.“

 

Hat Gauland nicht ähnlich argumentiert, wenn er sagt „Der 8. Mai hat nicht das Potenzial zu einem Feiertag, weil er ein ambivalenter Tag ist“?

 

Nachdenklich machen kann auch die Beobachtung, dass der Tagesspiegel am 6. Mai Gauland zitiert und den „deutlichen Gegenwind“ auflistet. Der Leser muss (soll?) den Eindruck bekommen, dass „die Anderen“ alle für den 8. Mai als Feiertag seien.

 

Dass das nicht stimmt wird an 2 Punkten deutlich:
1) Zwei Tage nach dem Gauland-Artikel schreibt derselbe Tagesspiegel (man glaubt es kaum): „Der 8. Mai sollte der Feiertag der Befreier bleiben. Wir sollten es dabei belassen, dass die Sieger den Tag feiern und die Deutschen sich in Demut erinnern, dass sie Täter waren.“
https://www.tagesspiegel.de/politik/75-jahre-kriegsende-der-8-mai-sollte-der-feiertag-der-befreier-bleiben/25806420.html
Die Leserkommentare zu diesem Artikel seien Ihnen besonders ans Herz gelegt!

 

2) Nur ein Leserkommentar zum Gauland-Artikel hat den Kommentator zu dem „Wissen“ geführt, dass im Bundestag – bis auf die Grünen – alle Parteien gegen den Antrag der Linken gestimmt haben!
„Gegenwind für Gauland? Gegenwind sieht ja wohl anders aus, denn indirekt wurde Gauland ja heute von einer ganz großen GroKo – incl AfD und FDP bestätigt, nämlich bei der Ablehnung dieses Antrags der Linksfraktion.“ Und er verweist auf den Deutschlandfunk am 07.05.20: „8. Mai wird kein gesetzlicher Feiertag“
https://www.deutschlandfunk.de/weltkriegs-ende-8-mai-wird-kein-gesetzlicher-feiertag.1939.de.html?drn:news_id=1128274
Man reibt sich die Augen: Die alle haben mit der AfD gestimmt??? Mit welcher Begründung denn? Wissen Sie es?

 

Zum Schluss noch ein Hinweis, wie mit einem einzigen kleinen Wort (3 Buchstaben) aus News ganz schnell Fake News gemacht werden (können). Beleg ist wieder der Tagesspiegel:

 

Im 1.Artikel wird Gauland richtig zitiert: „Für die KZ-Insassen ist er ein Tag der Befreiung gewesen.“
Doch was liest man im 2. Artikel (wenn man genau hinschaut)? „Wenn der AfD-Politiker Gauland gegen den 8. Mai als Feiertag plädiert, weil dies der Tag einer „totalen Niederlage“ und nur für KZ-Insassen ein Tag der Befreiung gewesen sei, dann irrt er gewaltig.“
Hier wird der Eindruck erweckt, dass Gauland gesagt habe, der 8. Mai sei „nur“ für KZ-Insassen ein Tag der Befreiung gewesen. Das aber hat er nicht gesagt – und der Tagesspiegel weiß das.

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